Neben den Hunderten von Kirchen gibt es unzählige Paläste in Rom. Bei den Kirchen fragt man sich, wer sie denn bezahlt hat. Denn auch, wenn früher alles billiger war, so war es doch schon damals teuer, solche Prachtbauten zu erstellen.

Die nahe liegende Hypothese: Ausbeutung der Bevölkerung war die Grundlage dieser Pracht. Und etwas pessimistischer: Erst Ausbeutung ermöglicht den Bau lange haltender kultureller Denkmäler.

Das gilt sicher auch für die Paläste. Sie sind zu einem großen Teil immer noch im Besitz von Familien und sie sind durch ein merkwürdiges Understatement gekennzeichnet. Beispiel der Palazzo Colonna. Von außen fällt das an einer Hauptverkehrsstrasse liegende Gebäude kaum auf. Zur Straße hin ein Pizza-Take-away, ein Scottish Pub, ein Maklerbüro (Engel und Völkers). Darüber überdurchschnittlich hohe Fenster mit Läden in einem grauen Gebäude.

Wenn man durch einen Seiteneingang schließlich den Palazzo betritt (was nur Samstagvormittag möglich ist) und über eine enge Treppe in die Räume über dem Pizza-Shop gelangt, dann findet man sich in einem Prachtsaal: 76m lang, über 20 m hoch, die Decke ausgemalt, Kronleuchter aus Murano, an den Wänden Meisterwerke der abendländischen Kunst. Atemberaubend. Von ähnlicher Pracht der Palazzo der Familie Doria Pamphilj. Auch hier eine Gemäldesammlung, die jedem staatlichen Museum zur Ehre gereichen würde. Etwas weniger großartig die Räume im Palazzo Stada. Aber auch dort eine beeindruckende Galerie. Alles private Sammlungen, die meist von den Vorfahren begonnen wurden, als sie Papst, Papstsohn (=Kardinal) o.Ä. waren.

Was den gewohnheitsmäßigen Museumsbesucher verwundert, ist die Hängung der Bilder. Es scheint keinerlei System zu geben, die Wände sind zugepflastert mit Bildern, mosaikartig ist jede Lücke gefüllt. Ich kenne diese Art Bilder zu präsentieren eigentlich nur aus dem Kaufhaus. Röhrende Hirsche neben Sonnenuntergängen in den Alpen, alles eng gedrängt an einer Stellwand. Nur dass hier eben Rubens und Caravaggio hängen und es die Wände von Palästen sind.

Dass Päpste diese Art reicher Familien gründen konnten, verwundert schon ein wenig. Die Pracht weniger. Wie hieß noch der Film: Der Papst trägt Prada?