Ich halte Überarbeitung generell für ein Problem. Damit meine ich nicht nur all das, was schließlich zum Burnout führt, sondern - eine jüngst von mir gemachte Erfahrung - auch die Überarbeitung von Büchern.

Eines meiner Bücher soll eine Neuauflage erhalten. Da ich zu dem dort behandelten Thema einen neuen Aufsatz geschrieben habe, der in einem anderen Sammelband publiziert wurde, dachte ich zunächst, es sei eine gute Idee, ihn in das Buch einzuarbeiten. Doch als ich mich dann schließlich an die Arbeit machte, wurde mir relativ schnell klar, dass das nicht so einfach geht: in eine mehr oder weniger gut geschlossene Gestalt eines vor etlichen Jahren entstandenen Buches nachträglich einen neuen Teil zu implantieren. Es ist eine Frage der Stimmigkeit, der Ästhetik, der logischen Konsistenz, der organischen Zusammensetzung...

Ich habe von der Überarbeitung Abstand genommen. Nicht nur für dieses Buch - für alle. Es ist m.E. besser, gleich ein neues Buch zu schreiben, als ein altes zu überarbeiten (Lexika ausgenommen).

Bücher haben mir ihrem Autor ja nach ihrer Fertigstellung nicht mehr viel zu tun. Beider Leben geht getrennt weiter. Wie der von mir hier schon mehrfach zitierte Claude Lévi-Strauss (sinngemäß) formulierte: Der Autor befindet sich nur gerade zufällig an dem Ort, wo das Buch entsteht. Das ist seine Beteiligung. Vergleichbar mit einer Kreuzung, über die Autos rollen...

Kein Wunder, dass es nicht wirklich gelingen kann, den Verkehrsstrom einer vergangenen Zeit wieder zu re-inszenieren, um das Buch angemessen zu überarbeiten.