Die Strategien der Berlusconi-Regierung, ihren Chef vor dem Gefängnis zu bewahren, sind ziemlich pfiffig. Sie erinnern an die Cleverness von Vereinsmeiern, die sich gut mit den Feinheiten prozeduraler Regeln und Vorschriften auskennen. Nur, dass im Fall Berlusconi, diese Regeln eben speziell für den genannten Zweck geschneidert werden.

So ist vor zwei Tagen (s. oben) in der einen Kammer des Parlaments ein Gesetz zur Beschleunigung von Gerichtsverfahren beschlossen worden. Inhalt ist, wenn ich das richtig verstanden habe, dass jeder Angeklagte, dessen Gerichtsverfahren nicht innerhalb eines bestimmten Zeitraums beendet ist, frei gesprochen wird, bzw. dass die entsprechenden Verfahren nach dieser Frist niedergeschlagen werden.

Gestern nun hat die zweite Kammer des Parlaments - passend dazu - ein Gesetz zur Verzögerung von Gerichtsverfahren beschlossen: Jeder Verteidigung wird das Recht zugebilligt, so viel Zeugen, wie sie mag, in einem Prozess aufzurufen. Ihr wird damit die Möglichkeit gegeben, das Verfahren beliebig zu verschleppen und zu verzögern.

Der Witz der Geschichte wird deutlich, wenn man beide Gesetze zusammen sieht: Die Verteidiung Berlusconis hat nur die Möglichkeit, durch das Vorladen einer unendlichen Zahl von Zeugen (im Fall von Ruby sind es schon 71, inklusive George Clooney) das Verfahren über die vorgegebene Frist hinaus zu verzögern (Gesetz der 2. Kammer), so dass es niedergeschlagen werden muss (Gesetz der 1. Kammer).

Elegant, oder?