Wer als Fachverlag ein umfangreiches Programm auf hohem Niveau präsentieren will, braucht neben guten Autor:innen und sorgfältig kuratierten Themen auch sauber redigierte Manuskripte. Viele Verlage greifen dazu auf die Unterstützung von freien Lektorinnen und Lektoren zurück, auch der Carl-Auer Verlag. Anders wäre das zu produzierende Pensum – im laufenden Jahr 2026 über 7000 Buchseiten – gar nicht zu stemmen. Über die Jahre hat sich ein fester Kreis von freien Kolleginnen und Kollegen gebildet, die nicht unwesentlich zur Qualität unserer Bücher beitragen. Sie können das, weil sie neben dem sprachlichen Handwerk weitere Kenntnisse und Fähigkeiten aus den unterschiedlichsten Bereichen mitbringen – als Medizinerin, als Naturwissenschaftler, als Übersetzerin oder als Therapeutin.
Zu dem Kreis von „festen Freien“ gehörte über lange Jahre auch Uli Wetz. Anfang Juli ist er im Alter von 80 Jahren gestorben. Wir möchten das zum Anlass nehmen, uns vor seiner Leistung – und vor der seiner Kolleginnen und Kollegen – dankbar zu verneigen.
Uli Wetz war Mitarbeiter am Institut für deutsche Sprache in Mannheim, bevor er sich selbstständig machte. Unsere Zusammenarbeit begann Ende der 1990er-Jahre, als erkennbar wurde, dass die zunehmende Zahl von Manuskripten nicht mehr im eigenen Haus zu bewältigen war. Der Kontakt erwies sich als Glücksfall, denn Uli Wetz brachte alles mit, was man als guter Lektor neben besonderen sprachlichen Kenntnissen an Fähigkeiten und Wesenszügen braucht: penible Sorgfalt, Geduld, Ausdauer, Freundlichkeit und nicht zuletzt: eine wirklich breite und tiefe Allgemeinbildung – legendär bleibt seine Randnotiz „Das hat Hegel nie gesagt!“.
Seine Anforderungen mögen manchen Autor, manche Autorin zum Stöhnen gebracht haben – beschwert haben sich nur wenige, denn allen war klar: Hier unterstützt mich einer dabei, so verständlich wie möglich zu Papier zu bringen, was ich sagen will. Mit seinem Gespür für heikle Aussagen und Begriffe, etwa wenn es um Wörter wie „Selektion“ oder „Machtergreifung“ ging, hat Uli Wetz auch politische und gesellschaftliche Verantwortung bewiesen. Er hat damit die Schreibenden nicht nur vor manchem Fauxpas bewahrt, sondern auch geholfen, mögliche Angriffspunkte in Rezensionen zu vermeiden. Kein Wunder, dass nicht wenige beim Folgebuch fragten: „Kann ich wieder den Wetz als Lektor haben?“
Das wird nun leider nicht mehr möglich sein. Was bleibt, ist der Name Uli Wetz im Impressum vieler Bücher aus dem Carl-Auer Verlag – und die dankbare Erinnerung an einen tollen Kollegen.
Ralf Holtzmann