Fritz B. Simon - Die kommenden Diktaturen
Fritz B. Simon über unseren Hang, das eigenständige Denken, Fühlen und Handeln über Bord zu werfen und in autoritären Systemen aufgehen zu wollen.
Die allgemeine Verunsicherung ist groß: Donald Trump wird der 47. Präsident der Vereinigten Staaten. Am ersten Tag seiner zweiten Amtszeit werde er sich wie ein Diktator verhalten, kündigte er in seinem Wahlkampf bereits an. Was bedeutet dies für die US-amerikanische Gesellschaft und was sagt die Wahl über diese aus? Warum ist eine der ältesten Demokratien der Welt im Stande, sich selbst abzuschaffen?
Angesichts fehlender politischer Lösungserfolge gewinnt der Autoritarismus an Zustimmung und tatsächlich auch an Einfluss und Macht. Immer mehr Demokratien werden ernsthaft in Frage gestellt, weltweit. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir Diktaturen, und damit Diktatoren, das Ruder überlassen, wächst.
Neuere Systemtheorie kann schlüssig erklären, was hier geschieht. Fritz B. Simon entwirft in seinem Essay „Die kommenden Diktaturen. Ein Worst-Case Szenario“ einen nüchternen, aber zugleich aufrüttelnden Blick auf Ursachen und Konsequenzen eines solchen Verhaltens.
„Die Attraktion der Unterwerfung unter eine äußere Autorität besteht für breite Kreise der Bevölkerung also wahrscheinlich gerade darin, dass sie sich nicht der Mühe der eigenen Komplexitätsreduktion, der individuellen Meinungsbildung in einer unübersichtlichen und potenziell bedrohlichen Weltlage, der Entscheidungsfindung und der Verantwortungsübernahme unterziehen muss“.
Insbesondere interessiert er sich für die Frage, welche Folgen die Sehnsucht nach einem „starken Mann“ für die Ökologie unseres Planeten bedeutet. Denn spätestens hier hört die Diktatur auf, eine nationale Angelegenheit zu sein.
„Ein Faktor, der Hoffnung für die zu diesem Zeitpunkt schon schwer geschädigte Erde verspricht, ist die Erfahrung, dass Diktatoren sich meist gut gegenseitig verstehen; zumindest, wenn sie einen gemeinsamen Gegner (die Klimaerwärmung, Anm. der Red.) identifizieren und sich gegen ihn verbünden können … Ab dann dürften der Bevölkerung radikale Einschränkungen ihrer Freiheiten und Verluste des Wohlstands zugemutet werden. Eingetreten ist dann weltweit, was in der politischen Auseinandersetzung auch als „Öko“- oder „Klimafaschismus“ bezeichnet wird. Allerdings dürfte dieser Begriff zu verharmlosend sein, denn der Faschismus bezieht sich dann nicht mehr in erster Linie auf das Klima, sondern lediglich auch auf das Klima.“
Ein Essay, das aufrüttelt und klarmacht, was wir riskieren.
