Wenn es doch nur so klar wäre! Dass Allen seine Stieftochter Dylan Farrow vor zwanzig Jahren missbraucht hat und sie nun den Mut hat, das öffentlich zu machen. Oder dass eine von ihrer Mutter instrumentalisierte junge Frau sich rächen will und den Regisseur dem Pranger überantwortet. In der veröffentlichten Diskussion in den USA sind die Meinungen nicht nur gespalten, es scheint auch schwer zu sein, sich einer Stellungnahme zu entziehen. Entweder für oder gegen Allen. Enthaltung scheint nicht zu gehen.
Was die Beurteilung des „Falles“ so schwer macht, ist die Vermengung von Beschreibung und Bewertung. „Missbrauch“ ist ein bewertender Begriff, kein beschreibender. Eine sexuelle Handlung wird als übergriffig und gewaltsam erlebt. So stellt es sich wohl aus dem erinnerten Erleben der Stieftochter dar. Was die Sache so schräg macht, ist die Form der Veröffentlichung. Warum zeigt sie ihn nicht an und lässt ein Gericht zu einer Bewertung kommen? Das wäre ein einigermaßen rationales und