Gunthard Weber – oder: Auf dem Weg bleiben
Gunthard Weber wird heute 85 Jahre alt. In diese 85 Jahre passte so vieles hinein, dass es ein hoffnungsloses Unterfangen wäre, alles aufzuzählen – vom ausführlichen Erzählen ganz zu schweigen. Fangen wir also gar nicht erst damit an. Es wird sowieso noch einiges dazukommen. Allemal sicher Überraschendes.
Schauen wir stattdessen auf ein Bild. In der Cafeteria des Heidelberger Helm-Stierlin-Instituts, das Gunthard Weber mitgründete – wie so vieles andere, etwa den Carl-Auer Verlag, das Wieslocher Institut für Systemische Lösungen WISL und ... (aber halt, wir wollten ja nicht aufzählen) – in dieser Cafeteria also hängt ein Bild, auf dem auch Gunthard Weber zu sehen ist. Hier kann man sehen, wie er sieht. Besser: Wie er schaut. Wer Gunthard Weber so gesehen hat, konnte erfahren, dass hier einer häufig in der Lage ist, mehr zu sehen, als dem Augenschein zugänglich ist. Er macht daraus nicht gleich Gewissheit, sondern in erster Linie zugewandte und nachhaltige Neugier. Interesse. So freundlich wie bestimmt, so einladend wie hartnäckig. Fast könnte man von einer hochinspirierten Nervosität sprechen, wenn damit gemeint sein könnte, dass da einer sein ganzes Arsenal an Sensorien nutzt und sich berühren lässt, und dennoch aufrichtig versucht, sich nicht hinreißen zu lassen, sondern buchstäblich Herr des Verfahrens zu bleiben. Dafür, diese Fähigkeit zum Guten vieler Menschen gut eingesetzt zu haben, gebührt dem Jubilar großer Dank. Dass er dazu und damit u. a. auch große Kongresse auf den Weg gebracht und erfolgreiche Bücher verfasst, herausgegeben und verlegt hat, dafür dankt der Carl-Auer Verlag Gunthard Weber ganz besonders.
Er habe vom Leben so viel bekommen, es sei höchste Zeit, etwas zurückzugeben. – So ähnlich sagte Gunthard Weber, als er dann – das gehört hier erzählt – vor einundzwanzig Jahren gemeinsam mit Nele Weber-Jensen und Gleichgesinnten den Verein Häuser der Hoffnung e. V. in Mali gründete. Zentrales Anliegen war und ist, malischen Mädchen eine gute Schulbildung und damit den Grundstock für ein selbstbestimmtes und sicheres Leben zu ermöglichen. Das Projekt hatte Erfolg, wuchs rasch, und immer mehr Unterstützer:innen und Förder:innen erkannten das große Potenzial für eine nachhaltige Entwicklung und die Chance, menschliche Not wirklich zu wenden. Im Jahr 2017 entstand ein weiteres, größeres Projekt, eine gemeinnützige GmbH mit dem Namen Centre Agro-Alimentaire Siby (CAAS). Hier handelt es sich um eine gleichfalls stetig wachsende berufsbildende Einrichtung für Mädchen und junge Frauen in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft im Süden Malis.
Für diese Engagements, die unter vielen anderen auch vom Carl-Auer Verlag kontinuierlich und gern gefördert und unterstützt werden, erhielt Gunthard Weber im Januar 2024 zu Recht den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland (das Bundesverdienstkreuz).
Herzliche Gratulation, lieber Gunthard, auch im Namen von Fritz B. Simon, Bernhard Trenkle und aller Kolleg:innen im Carl-Auer Verlag.
Matthias Ohler


