Eine Lage zu spüren heißt: sich überraschen lassen, bevor man sie erklärt. Gerade in China – und nicht nur dort – reicht es nicht, Regeln über eine Situation zu stülpen oder den Kontext aus sicherer Distanz zu analysieren.
Entscheidend ist ein sensed knowing: eine Öffnung der Sinne für Atmosphäre, Hierarchie, Gesicht, Unsicherheit und kulturelle Resonanz. Wer eine Lage lesen will, muss wahrnehmen, wann ein Raum enger wird, wann Wärme entsteht, wann Höflichkeit Grenze bedeutet.
Dabei geht es nicht nur darum, was geschieht, sondern wozu die Lage Wirkung entfaltet – und wie sie mich selbst in eine bestimmte Bewegung bringt.
Die zentrale Frage lautet: Wie wird meine Aufmerksamkeit gelenkt, ohne dass es ausdrücklich gesagt wird? Denn oft merkt der Körper zuerst, wohin die Lage zieht.
Literaturhinweis
Sollmann, U. (2016): Einführung in Körpersprache und nonverbale Kommunikation. Heidelberg (Carl-Auer).
Sollmann, U. (2026): Genau geschaut. Heidelberg (Carl-Auer).
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