Ralf Holtzmann geht heute in Rente

Manchmal sind es ganz kleine Details, die etwas Paradigmatisches oder etwas grundlegend Klärendes aufleuchten lassen. Als 1995 Ernest L. Rossi den Carl-Auer Verlag besuchte – damals noch in der Kußmaulstraße –, um das Erscheinen des ersten Bandes der von ihm edierten Gesammelten Schriften von Milton H. Erickson zu feiern, war er nicht nur dankbar für das sorgfältige Lektorat. Ihm fiel auf, dass des Lektors Schuhe mit roten Schnürsenkeln gebunden waren. Das könnte man als den „Rossi-Blick“ bezeichnen.

Der Lektor war damals Ralf Holtzmann, der diese Geschichte gern erzählt. Er ist es bis heute. Aber jetzt geht er in Rente. – So ist das ...

Ralf Holtzmann hat diesen Rossi-Blick. Diese Fähigkeit der Aufmerksamkeit für´s Detail. Für die gut – oder manchmal eben auch noch nicht so gut passenden Zusammenhänge aller Details eines Manuskripts. Dafür, wie man das dann doch gut macht. Wie man das wiederum Autor:innen vermittelt, sie dafür gewinnt, genau mit diesem Blick mitzuschauen und gute Bücher zu machen. Von der Organisation des gemeinsamen Schauens mit externen Kolleg:innen und vielem anderen, das im Leben eines Verlages zu bereden, betexten und bedenken ist, ganz abgesehen.

Die Szene ist 30 Jahre her. In diesen 30 Jahren (und auch schon davor) hat Ralf Holtzmann unter vielem anderen maßgeblich dafür gesorgt, dass alle Bücher, die beim Carl-Auer Verlag erscheinen, zuvor mit diesem „Rossi-Blick“ versorgt werden. So achtungsvoll wie konsequent. Für viele hunderte von Büchern, mit hunderten von Autor:innen aus unterschiedlichsten Professionsfeldern mit allen Facetten der Denk-, Schreib- und Praxisstile.

Vielleicht kann man das auch mit einem Dirigenten vergleichen, der die gesamte Partitur eines großen Orchesterwerkes versteht, dessen Verortung in der Werkgeschichte auf dem Schirm hat und zugleich den aufmerksamen Kontakt zu allen beteiligten Musiker:innen hält und für jedes Detail, das sie jeweils spielerisch beitragen, wach ist – im Konzert und während der intensiven Proben davor. Wenn man vor dem Regal im großen Besprechungsraum des Carl-Auer Verlages steht, erscheint kaum vorstellbar, dass alle diese Bücher in den Genuss des Holtzmann-Rossi-Blicks gekommen sind. Aber nachts flüstern sie sich das untereinander zu und erzählen einander ihre Geschichten.

Das Lektorat des Carl-Auer Verlages ist gewachsen. Ein Team von drei jungen, engagierten und kompetenten Kolleg:innen übernimmt Ralf Holtzmanns Aufgaben nun komplett und ist, auch von ihm, bestens dafür vorbereitet. Alle haben aber seine Telefonnummer. Für den Fall der Fälle. Er hat versprochen, sie nicht zu ändern. – Ich hab sie auch ...

Danke, Ralf, für immens viele und gelungene Arbeit und für diesen Blick. Und nicht zuletzt für den schnürgeraden Humor.

In diesem Sinne, auch im Namen der Geschäftsführer Fritz B. Simon und Gunthard Weber sowie von Gesellschafter Bernhard Trenkle, Prokuristin Elvira Schwebler und aller Kolleg:innen im Carl-Auer Verlag
Matthias Ohler