#63 Wenn der Prügelknabe weg ist, bleibt der Spiegel

Merz wird viel vorgeworfen: mangelnde Empathie, Dünnhäutigkeit, Fehlschritte, die Flucht in die Opferrolle. Aber was wäre, wenn er weg wäre? Dann wäre nicht automatisch das Problem verschwunden, sondern vielleicht nur die Figur, an der sich das Problem festmachen ließ. Merz wackelt nicht allein; an ihm wird sichtbar, wie wackelig die politische Lage selbst geworden ist.
Deutschland will Veränderung, fürchtet aber die Zumutung, die damit verbunden ist. Man will Führung, misstraut ihr aber im selben Moment. Wenn der Prügelknabe wegfällt, fällt auch die Projektion weg. Dann bleibt der Spiegel — und die unbequeme Frage, was wir selbst zu tragen, zu verändern und auszuhalten bereit sind.

Literaturhinweis
Sollmann, U. (2016): Einführung in Körpersprache und nonverbale Kommunikation. Heidelberg (Carl-Auer). 
Sollmann, U. (2026): Genau geschaut. Heidelberg (Carl-Auer). 

Folgt uns auf Spotify und YouTube