S7 #3 Der Mensch ist mehr als seine Krankheit | Gülle im Wohnzimmer

Unterschiedliche Einschätzungen der Fähigkeit einer 74-jährigen Patientin, sich noch selbst versorgen zu können, und ein unverständliches Entlassmanagement seitens einer Klinik bringen die Tochter der Patientin in Not. Vermeidbare Not. Es folgen daraus weitere Entscheidungen, die sich als fatal erweisen – auch seitens der Tochter.
Wie damit umgehen? Wie die Wertschätzung halten? Wie das Systemversagen erkennen, sich dafür entschuldigen und zukünftig für bessere Prozesse sorgen? – Hier hilft, offen und klar systemisch nachzufragen, bezüglich aller Beteiligten. Eine Auswahl von Reflexionsfragen (siehe Anhang) lädt die Hörer:innen in jedem Post ein, die Arbeit und sich selbst weiter zu beobachten und zu professionalisieren.

Der Mensch ist mehr als seine Krankheit. So lautet der Titel des vielgelobten Buches von Ursula Pabsch zu Systemischer Sozialer Arbeit im Krankenhaus. Der mehrteilige Podcast bei Sounds of Science Specials mit Ursula Pabsch beleuchtet detailliert und auf dem Hintergrund der immensen praktischen Erfahrung der Gesprächspartnerin viele Kontexte und Anforderungen dieses wichtigen Arbeitsfeldes. Anhand von Fallbeispielen werden die Vorzüge systemischen Denkens und Handelns direkt erfahrbar. Eine Auswahl von Reflexionsfragen (siehe Anhang) lädt die Hörer:innen in jedem Post ein, die Arbeit und sich selbst weiter zu beobachten und zu professionalisieren.

Ursula Pabsch, Dipl. Päd., ist Systemische Therapeutin, Beraterin, Supervisorin und Organisationsentwicklerin; langjährige Tätigkeit in der klinischen Sozialarbeit; selbstständig in außerklinischem Case Management und Supervision; Inhaberin des Intensivpflegeportals www.leben-mit-intensivpflege.de; Beraterin von Intensivpflegediensten.

Literatur:
Pabsch, Ursula H. (2024): Der Mensch ist mehr als seine Krankheit. Systemische Soziale Arbeit im Krankenhaus. Heidelberg (Carl-Auer).

Systemische Grundsätze/Haltung:
• Wertschätzung und Respekt gegenüber der Tochter, auch bei den offenen Fragen ihr gegenüber
• Lösungs- und ressourcenorientierte Gesprächsführung
• Nicht-wissende Haltung bei der Anamnese
• Bereitschaft zur internen Verantwortungs- und Kooperationsübernahme, hier auch Entschuldigung für unser Systemversagen

Weitergehende mögliche systemische Fragen:
An die Tochter
• Der Schock über die Situation zu Hause ist Ihnen noch anzumerken. Nehmen Sie erstmal Platz.
• Kompliment für Ihr Engagement, alles selbst zu organisieren. 
• Wer hat Sie unterstützt?
• Was brauchen Sie nun ganz konkret?
• Ihre Mutter ist sicherlich sehr stolz auf Sie, dass Sie nun selbst die Fäden in die Hand genommen haben. 
• Was hätten Sie sich von uns als Klinik gewünscht?
• Was dachten Sie über sich als Tochter, als Sie sie gefunden haben?

Der Blick zu mir
• Was würde ich mir als Angehörige wünschen?
• Wie gehe ich mit Beschwerden um?
• Wie erkenne ich die heimlichen Aufträge? 
• Wie priorisiere ich?

Der Blick ins System
• Wie kann das Beschwerdemanagement zu besseren Abläufen in einer Klinik nicht nur bei Entlassungen führen?
• Was ist mein Beitrag, für Veränderungen zu sorgen?
• Welche Profession hat das Vetorecht bei ungeklärten Versorgungsproblemen?
• Kann eine Klinik oder ein Mitarbeiter haftbar gemacht werden?
• Wie kann die Zusammenarbeit zwischen Hausarzt und Klinik kooperativ gestaltet werden?