Erkenntnistheoretischer Führerschein | Andreas Kollar & Fritz B. Simon – Entscheidung, freier Wille & Strukturdeterminiertheit
In der zweiten Folge Folge des Erkenntnistheoretischer Führerscheins nehmen Andreas Kollar und Fritz B. Simon den freien Willen unter die erkenntnistheoretische Lupe. Wie entstehen Entscheidungen? Was bedeutet es, strukturdeterminiert zu sein? Und wieso kann ein Hund vielleicht Verkehrsregeln lernen, aber kein selbstfahrendes Auto (noch) autopoietisch sein? Eine erkenntnistheoretische Fahrstunde über Systeme, Beobachter, Verantwortung – und über das befreiende Potenzial von Nichtanpassung.
Inhalt dieser Folge:
• Was ist ein System? – Vom Topf Kartoffeln bis zum Straßenverkehr
• Beobachter als Konstrukteur: Systeme entstehen erst durch Beobachtung
• Beobachten = Entscheiden: selektive Wahrnehmung und Aufmerksamkeit
• Entscheidungen sind nicht beobachtbar – Verhalten schon
• Gilbert Ryle: Augenzwinkern als Kommunikations- oder Körperphänomen
• Strukturdeterminiertheit: Warum Reize nicht automatisch Reaktionen sind
• Lernen als Kontextverarbeitung: Hunde, Rehe, Pavlovs Hund & die Glocke ohne Klöppel
• Maturana & Luhmann: Perturbation, Irritation, Anregung
• Selbstorganisation vs. Autopoiese – warum Menschen mehr können als Maschinen
• Soziale Systeme: Kommunikation als Element, nicht Personen
• Freier Wille als nützliches Konstrukt – oder als Haftungskonzept für das eigene Gehirn
• Hans Lieb: Idee vom „zirkulär vernetzten freien Willen“
• Biologisches und kollektives Unbewusstes als doppelte Leitplanken
• Entscheidung durch Nichtanpassung: Lernen ohne Scheitern
• Der erkenntnistheoretische Schulterblick: Zwischen Kontrolle und Vertrauen
Besondere Zitate von Fritz Simon:
• „Systeme sind nicht einfach da – sie entstehen erst durch Beobachter.“
• „Entscheidungen kann man nicht beobachten – nur Verhalten.“
• „Alles, was ein Organismus tut, ist durch seine Struktur determiniert.“
• „Entscheidungen treffen sich oft mehr, als dass wir sie selber treffen.“
• „Für die Entscheidung meines Gehirns bin ich bereit, die Haftung zu übernehmen.“
• „Das Unbewusste ist biologisch – das kollektive Unbewusste ist sozial.“
• „Nichtanpassung ist nicht immer Scheitern – manchmal ist es der Beginn von etwas Neuem.“
• „Wenn man zu lange in den Spiegel schaut, fährt man nie los.“
• „Ein selbstfahrendes Auto wäre erst dann autopoietisch, wenn es sich selbst bauen würde.“
• „Frösche haben eine andere Struktur als Hunde – deswegen sprechen sie auch kein Latein.“
• „Man muss sich davon verabschieden, etwas perfekt machen zu wollen. Sonst fängt man gar nicht erst an.“
Links & Ressourcen:
Spencer-Brown, G. (1969): Laws of Form. London: Allen & Unwin.
Maturana, H. R., & Varela, F. J. (1987): Der Baum der Erkenntnis: Die biologischen Wurzeln des menschlichen Erkennens. Bern: Scherz Verlag.
Bateson, G. (1972): Steps to an Ecology of Mind. San Francisco: Chandler Publishing.
Ryle, G. (1949): The Concept of Mind. London: Hutchinson.
Lieb, H. (2010): So habe ich das noch nie gesehen: Systemische Therapie für Verhaltenstherapeuten. Heidelberg: Carl-Auer.
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