Was macht ein Gefängnis mit dem Menschen – und was kann Architektur daran ändern?
In dieser Folge von „Genau geschaut“ spreche ich mit Dr. Seelich, Kriminologin und eine der führenden europäischen Expertinnen für den Bau und die Umgestaltung von Justizvollzugsanstalten. Sie denkt nicht vom Klischee des Gefängnisses her, sondern von seinen Wirkungen: Wie formen Räume Verhalten? Wie beeinflussen Licht, Bewegung, Außenkontakt und Sinnesreize das Erleben von Menschen im Vollzug?
Dr. Selig steht für einen humanen Strafvollzug ohne Romantisierung. Sicherheit und Menschlichkeit sind für sie kein Gegensatz, sondern eine bauliche Aufgabe. Jede Funktion braucht ihre Form: Kontrolle, Schutz, Alltag, Rückzug – und vor allem Beziehung.
Denn auch der bestrafte Mensch bleibt ein Mensch. Und ein Vollzug, der verändern will, braucht mehr als Mauern. Er braucht Räume, in denen Begegnung möglich bleibt.
Literaturhinweis
Sollmann, U. (2016): Einführung in Körpersprache und nonverbale Kommunikation. Heidelberg (Carl-Auer).
Sollmann, U. (2026): Genau geschaut. Heidelberg (Carl-Auer).