Ist der „Bambi-Reflex“ ein Unterwerfungs- oder auch Anbiederungsphänomen? Und was haben Referate und Fahrprüfungen damit zu tun? Die Vorstellung, was andere über uns denken könnten, hat häufig mehr Einfluss auf uns – besonders in Auftrittssituationen und bei ähnlichen Gelegenheiten. Zunächst ist wichtig, zu erkennen, welche Situationen praktisch Auftrittssituationen sind – oder als solche sinnvollerweise gelesen werden können –, obwohl sie es zunächst nicht zu sein scheinen. Timo Nolle erläutert anhand von einleuchtenden Beispielen, wie sich Kontextmischungen ergeben, die Reaktionen ermöglichen, die verhindern, dass etwas gelingt. Wie kann man bislang nicht erkannte Erklärungsmuster für eigenes Verhalten aufweichen und sinnvoll verändern? Und wie bedeutend ist es, unterscheiden zu können, was man selbst beeinflussen kann – und was nicht ...
„Unter Stress wird die Gesellschaft zum Borderline-Patienten“, sagte Ortwin Meiss einmal. Was bedeutet das, und was bekommt man damit in den Blick, das sonst vielleicht unterm Radar bleibt? Wahrnehmung und Kommunikation in Schwarz-Weiss-Kategorien – also das Gegenteil von interessiertem Dialog. Der Stress verstärkt sich durch die Forderung, sich zu bekennen – ob es in pandemischen oder anderen Diskussionen stattfindet. – „Wem glaubst du?!“ – Die Antwort „vorerst niemandem“ wird beschieden mit “Aber du musst doch ...“ – Dann entsteht Stress. Entwicklung ist allerdings möglich, wenn – wie auf einer gelingenden Tagung – wirklich Austausch stattfinden kann. Ortwin Meiss erläutert Phänomen und überraschende Möglichkeiten anhand von Erfahrungen und Fallgeschichten – und was das mit Kapitalismus zu tun hat ...
Josua Handerer und Till Jansen leiten die M.E.G.-Regionalstelle Berlin.
Beider Weg zu Milton Erickson führte u. a. maßgeblich über systemische Therapie, Konstruktivismus und soziologische Systemtheorie (Niklas Luhmann). Ericksons „Produktives Unbewusstes“ als Ort von Kreativität prägt eine noch einmal andere pragmatistische Einstellung zu Therapie als Individualverfahren.
Laut Gunther Schmidt, so unsere Interviewpartner, hatte Milton Erickson schon eine Art Theorie der Autopoiesis, ohne dafür die später verwendeten Vokabulare zu haben oder zu brauchen. Handerer und Jansen illustrieren dies an einer spannenden Fallgeschichte.
Kann KI Autopoiese? Ist bzw. sind KIs nicht-triviale Maschinen? Und wie wird KI Teil der Autopoiese sozialer Systeme (als Kommunikationssyteme), z. B. von Therapie und Beratung? Auch hier sind soziologische und philosophische Zugänge über Niklas Luhmann und Bruno Latour wichtig, und sie helfen gegen zu häufig anzutreffende Denkmüdigkeit.
Eva Barnewitz´ Vortrag zu „Impacttechniken im Kontext Trauma“ fokussierte: Diese gelingen, wenn Leichtigkeit und Klarheit gewonnen werden – gemeinsam mit den Klient:innen – , um in die Tiefe zu kommen – was wiederum bedeutet: Worum geht es „wirklich“? Es gilt, zu wissen, welche theoretischen Konzepte hier leiten, um von dorther die Techniken und Methoden nicht schlicht nur als „Tools“ einzusetzen.
Eine weitere Vorgehensweise, die für Eva Barnewitz besonders bedeutend ist, ist die Narrative Expositionstherapie (NET). Barnewitz erläutert Hintergründe, konzeptionelle Grundlagen und Forschungsergebnisse dieser Methode, ihrer Wirksamkeit und warum die NET – entgegen mancher Vorurteile – sich nicht nur aufs Reden verlässt. Und es zeigt sich dabei auch eine andere Einschätzung und durchaus Problematisierung der Bedeutung und Priorisierung von Stabilisierung.
Hypnowriting verbindet Trancereisen mit Schreibprozessen. Ursula Neubauer, die diese Form entwickelt hat, stellte sie in ihrem vielgelobten Workshop bei der MEG-Jahrestagung vor und erläutert im HypnoTalk einige basale Gedanken und Konzepte von Hypnowriting – die komplett und ausführlich auch nachzulesen sind in ihrem vielgefragten Buch.
Die Kopplung des Tranceprozesses mit einem wie selbstständig stattfindenden Schreiben macht die Entstehung von Bewertungen dessen, was sich zeigt, weniger wahrscheinlich und erlaubt Klient:innen so überraschende wie lebensdienliche Lösungserfahrungen. Anleitungen oder Angebote zu besonderen Formen des Schreibens bewähren sich, sind aber in keiner Weise Voraussetzung. Auch, was mit dem, was geschrieben wurde, im Nachhinein zu tun ist – oder getan wird – ist höchst individuell und dementsprechend besonders achtsam zu klären.
KI und Gehirn – ziemlich beste Freunde? – Damir del Monte, den Gunther Schmidt „Hirnerklärer Nr. 1“ nennt, entdeckt in vielen aktuellen Fragen und Diskursen eine Verschiebung des Fokus der Aufmerksamkeit vom Gehirn und verleiblichtem Erleben zu Berechnungsmetaphern. In seinem vielbeachteten Buch Ein Date mit deinem Gehirn stellt del Monte vor, was unsere Gehirne permanent tun: Sie bilden Hypothesen und schaffen Prädiktionen. Will man, erklärt del Monte im HypnoTalk, ein wirklich sinnvolles „Date mit seinem Gehirn“ haben – und das Gehirn mit der Welt – braucht es dafür Mut, Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit, seine Selbst- und Weltmodelle zu prüfen und zu revidieren. Mentales ist getragen von Neurophysiologischem in Wechselwirkung mit dem ganzen Körper. In einem Wort: Gesamtkunstwerk. Und das auch Miteinander: Menschen sind narrative Wesen. Mit allen Risiken.
Wir fragen: Worum geht es bei Brainspotting? Wie geht man vor? Worin liegen die Potenziale, die bei Klient:innen erreicht werden, und wie können sie neurobiologisch bzw. neurokonstruktivistisch verstanden werden? Inwiefern ist Brainspotting kein Wunderheilmittel, sondern eine Unterstützung für die ureigene Selbstwirksamkeit und Selbstregulationsfähigkeit im Körper der Klient:innen?
Eine wirkungsvolle Methode, die besondere Kompetenzen sowie gute, haltende und vertrauensvolle Rahmung und Ausbildung seitens der Therapeut:innen braucht.