Rudolf Klein ist 70 – oder: Lob des Zauderns
„Zaudern ist ein Unterbrechen von eingespurten Handlungen, ohne dass bereits etwas Neues entstehen muss. (...) Es darf nämlich jemand auch bleiben, wie er ist. Zaudern repräsentiert glaube ich ganz gut, was ich unter einer gelungenen therapeutischen Beziehung verstehe.“ So beantwortete Rudolf Klein die Abschlussfrage eines Gesprächs mit Carl-Auer zum Titel eines seiner Bücher: Lob des Zauderns – Navigationshilfen für die systemische Therapie von Alkoholabhängigkeiten. Es mag auch eine Spur zum Verständnis einer Haltung liefern, die Therapeuten wie Rudolf Klein wohltuend unterscheiden vom Getöse vieler Heilsversprechungen.
Rudolf Klein wurde am vergangenen Sonntag, den 4. Januar, 70 Jahre alt. Wir gratulieren ihm von Herzen und wünschen ihm vor allem Gesundheit, weiterhin diese inspirierte und inspirierende Schaffenskraft und – nicht zu vergessen – den feinen Humor, die ihn sowohl als Therapeuten, Berater, Supervisor und Lehrenden wie als Autor auszeichnen.
Rudolf Klein ist seit Jahrzehnten in freier Praxis in Merzig tätig, seit 2023 mit neuem Standort in Lösnich an der Mittelmosel. Er arbeitete u. a. als Gruppentherapeut in einer Klinik für Alkohol- und Medikamentenabhängige und als Mitarbeiter einer ambulanten psychosozialen Beratungs- und Behandlungsstelle mit dem Schwerpunkt Sucht. Rudolf Klein ist Lehrtherapeut und lehrender Supervisor der Saarländischen Gesellschaft für Systemische Therapie (SGST) und der Systemischen Gesellschaft (SG) sowie Lehrtherapeut des Wieslocher Instituts für systemische Lösungen (wisl). Gastdozenturen führten ihn nach Luxemburg, Österreich, Polen, Russland, in die Schweiz und in die Ukraine. Der Jubilar gehört auch zum Editorial Board der Zeitschrift Familiendynamik.
Mit seinem jüngsten bei Carl-Auer erschienenen Buch Leben mit Alkohol – Herausforderungen und Chancen – auch dies ein wohlüberlegter Titel – richtet sich Rudolf Klein an direkt Betroffene und ihr Umfeld und stellt so seine immense Erfahrung und seine pointierte Zugangs- und Vorgehensweise zur Verfügung. „Viel mehr Menschen, als weithin gedacht, sind in der Lage, aus einer Außenposition das eigene Tun anzuschauen, zu reflektieren und Änderungen des eigenen Verhaltens vorzunehmen, ohne therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen“, schreibt dazu Wilhelm Rotthaus. „Wer das im Hinblick auf seinen Alkoholkonsum tun möchte, erhält in diesem Selbsthilfebuch eine Fülle von sehr hilfreichen Anregungen. Angehörige erfahren, wie sie unterstützen können. Und sollten Sie sich in einer Warteschleife auf einen Therapieplatz befinden, ist das Lesen dieses Buches eine wertvolle Vorbereitung auf Ihre Therapie.“
Gemeinsam mit Gunther Schmidt veröffentlichte Rudolf Klein in der Reihe Störungen systemisch behandeln das Standardwerk Alkoholabhängigkeit. „Das Buch ist ein unverzichtbares und absolut lesenswertes Know-how-Paket und sei explizit nicht nur Systemikern oder im Suchtkontext Arbeitenden, sondern – alleine schon aufgrund der Häufigkeit, mit der Alkoholkonsum im Rahmen therapeutischer Kontexte eine Rolle spielt – einfach allen Therapeutinnen und Therapeuten empfohlen.“ (M.E.G.aPhon)
Wir danken Rudolf Klein für alles mit einem herzlichen „Chapeau!“ und schätzen uns glücklich, ihn als Partner in der Carl-Auer Welt zu haben.
Mit den besten Wünschen, auch im Namen von Prof. Fritz B. Simon, Dr. Gunthard Weber, Bernhard Trenkle und allen Kolleg:innen im Carl-Auer Verlag
Matthias Ohler


