#50 Die Drohung trägt Käppi

Als Trump mit tief ins Gesicht gezogenem Käppi den Krieg gegen Iran erklärte, entstand eine radikale Asymmetrie: Man hörte die Drohung, aber der Sprecher blieb im Blick unzugänglich. Die Augen regulieren Affekt, stiften Gegenseitigkeit und machen Intentionalität lesbar – fallen sie weg, reagiert unser Nervensystem mit Alarm, Rückzug oder innerer Erstarrung. 

Das Still-Face-Experiment zeigt, wie schnell Entzug von Blickkontakt in Apathie und Desorganisation kippen kann. Freud würde hier vom Unheimlichen sprechen: Ein Gesicht wird unlesbar, archaische Gefühle von Bedrohung werden aktiviert, während zugleich etwas entlebendigt – im Gegenüber wie im eigenen Erleben. 

Die Abschattung wirkt nicht nur drohend, sondern enthemmend und dissoziierend. Am Ende bleibt eine beunruhigende Verschiebung: Macht spricht – und entzieht sich zugleich der wechselseitigen Lebendigkeit.

Literaturhinweis
Sollmann, U. (2016): Einführung in Körpersprache und nonverbale Kommunikation. Heidelberg (Carl-Auer).
Simon, F. B. (2026): Mittelmaß und Eifersucht. Heidelberg (Carl-Auer).
Reimon, M. (2025): Starke Signale. Heidelberg (Carl-Auer). 

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