Nach den Landtagswahlen ist schnell von „Protestwählern“ die Rede. Man spricht über Spritpreise, Energie, Arbeit – und fragt, wie die Mitte zurückgewonnen werden kann.
Das ist zu kurz gegriffen. Der Begriff Protestwähler entlastet die Politik, entwertet Wähler:innen und vermeidet die eigentliche Frage.
Stattdessen ist zwischen der Vorder- und Hinterbühne zu unterscheiden: Vorne stehen Interessen, hinten wirken bedrohte Schutzbedürfnisse.
Menschen reagieren nicht nur auf Probleme, sondern auf das Gefühl, etwas Entscheidendes zu verlieren.
Und genau das zeigt sich sogar in TV-Duellen – wenn es Politikern gelingt, dieses Schutzbedürfnis aufgreifen und daraus Handlungsfähigkeit erzeugen.
Literaturhinweis
Sollmann, U. (2016): Einführung in Körpersprache und nonverbale Kommunikation. Heidelberg (Carl-Auer).
Salowski, C. (2025): Konservative Verbitterung. Heidelberg (Carl-Auer).
Geschwill, R. u. M. Nieswandt (2026): Wirtschaft für eine offene Gesellschaft. Heidelberg (Carl-Auer).