Was verbindet die Gewalt nach einem verlorenen Endspiel, aggressives Hupen, den bohrenden Blick an der Supermarktkasse und den tödlichen Zugriff auf George Floyd?
Immer kippt innere Spannung in ein „Weg da“: Der andere soll verschwinden, damit der eigene Affekt nachlässt. Die Mannschaft hat dann nicht nur verloren, sondern sich verloren; der Autofahrer sitzt im eigenen Affekt fest, und an der Kasse wird Attacke zum misslungenen Kontaktversuch.
Diese Affektdynamik bleibt nicht privat: Empörung, Social Media und politische Öffentlichkeit als äußere Erregungsarchitektur geben ihr Richtung, verstärken sie und liefern immer neue Gegnerbilder. Der Mensch ist dabei zugleich Handelnder und Gefangener eines Geschehens, das ihn körperlich erfasst und gesellschaftlich weiter antreibt.
Was kurzfristig wie Entlastung wirkt, verhärtet langfristig – den Einzelnen ebenso wie die politische Öffentlichkeit.
Und Verhärtung macht einsam.
Literaturhinweis
Sollmann, U. (2026): Genau geschaut. Heidelberg (Carl-Auer).
Sollmann, U. (2016): Einführung in Körpersprache und nonverbale Kommunikation. Heidelberg (Carl-Auer).
Simon, F. B. (2025): Gewalt gegen sich selbst – Paradoxe Formen des Widerstands. Heidelberg (Carl-Auer).