Moral ist en vogue – genauer gesagt: Moralisieren.
Was geschieht da genau, wenn mit deutlicher Verve und Steigerung moralische Begriffe, Konzepte und nicht zuletzt Vorwürfe schnell und scheinbar treffsicher in Anschlag gebracht werden?
Moral ist, so Niklas Luhmann, kein eigenständiges gesellschaftliches Funktionssytem. Sie erfüllt aber eine wichtige Alarmierfunktion. Dies erweiternd zeigt Fritz B. Simon, Autor unter anderem des vielgelesenen und -diskutierten Essays Die kommenden Diktaturen, in seinem neuen Essay Moralisieren: Waffe im Kulturkampf, wie Moralisieren 2.0 funktioniert: Den Wissenschaften beispielsweise wird – entgegen deren eigener Funktion und Intention – von manchen nachhaltig unterstellt, moralisch getrieben zu sein. Ihnen wird Moralisieren zugeschrieben, um sie dann wieder scheinbar moralisch stellen und letztlich disqualifizieren zu können. Auch dem Rechtssystem wird ähnliches vorgeworfen. Moralisieren 2.0 als wirkungsvoller Spielzug und als Waffe in der Arena, wo es darum geht, wie wir leben wollen.
Wir sprechen mit Fritz B. Simon unter anderem darüber, über die besondere Organisation von Achtung und Missachtung in Kommunikation mit und über Moral sowie über die größeren Kontexte, wie etwa Marktfundamentalismus, in denen diese Kämpfe stattfinden.
Viel Spaß im Interview mit Fritz B. Simon bei Carl-Auer Sounds of Science.