Management

engl. management, franz. gestion f, von lat. manus agere = »an der Hand führen« bzw. »ein Pferd in allen Gangarten üben«. Ursprünglich deutet der Managementbegriff folglich ­darauf hin, dass jemand (z. B. ein Reiter oder eine Reiterin oder aber ein Manager oder eine Ma­nagerin) etwas (ein Pferd oder aber eine → Organisation) in Bewegung bringen, steuern und lenken (kurz: managen) möchte. Die Unterscheidung zwischen der → Person, die managt und dem Akt des Managens prägt auch die Differenzierung zwischen einer institutionellen und einer funktionalen Perspektive von Management. Während Management als Institution den Personenkreis beschreibt, der mit Steuerungsverantwortung in Or­gani­sationen betraut ist, bezieht sich die funktionale Perspektive von Management auf den Komplex von Steuerungsaufgaben, die im Zuge der Leistungserstellung in Organisationen zu bearbeiten sind (vgl. Schreyögg u. Koch 1990, S. 6).

Auch aus systemtheoretischer Perspektive erscheint die Unterscheidung zwischen einer institutionellen und einer funktionalen Perspektive von Management hilfreich. Wenn allerdings sowohl der Steuerungsgegenstand (die Organisation) als auch die Person, der die Steuerung der Organisation übertragen wird (der/die Manger/in) als lebende und folglich als autopoietische (→ Autopoiesis), operational geschlossene → Systeme betrachtet werden müssen, bedarf es nicht nur (a) einer Neujustierung der → Funktion von Management, sondern (b) auch eines differenzierten Verständnisses hinsichtlich der → Rolle des Managers bzw. der Managerin.

a) Paradoxiemanagement als zentrale Funktion von Management
Aus systemtheoretischer Perspektive besteht die übergeordnete Funktion des Managements darin, den Fortbestand der Organisation zu sichern, indem die Grenze zwischen System und → Umwelt nicht nur kontinuierlich aufrecht­erhalten, sondern zugleich wiederkehrend infrage gestellt wird (vgl. Luhmann 2000, S. 55). Um diese paradoxe Anforderung zu erfüllen, muss das Management innerhalb der unterschiedlichen Steuerungsbereiche zahlreiche weitere → Paradoxien bewältigen (vgl. Wimmer u. Schumacher 2009, S. 225 ff.):
Im Zuge der Strategieentwicklung gilt es, bedeutsame Entscheidungen (z. B. hinsichtlich der Entwicklung eines Geschäftsfeldes) sowohl auf Basis der Vergangenheit zu treffen, sie zugleich aber mit Prognosen zur Zukunft anzureichern, wohlwissend, dass die Zukunft stets ungewiss bleibt. Mithilfe des Marketings erhofft sich das Management verlässliche Bilder des eigenen Geschäftsumfeldes zu verschaffen, wohlwissend, dass diese Bilder stets als Ergebnis eines hochselektiven und damit kontingenten → Beobachtungspro­zes­ses betrachtet werden müssen. Neben der → Konstruktion von vermeidlich verlässlichen Bildern der Umwelt, muss das Marketing also zugleich offen für Überraschungen bleiben. Innerhalb des Ressourcenmanagements müssen sowohl die kurzfristige Renditeerwartung der Anteilseigner als auch die langfristige Überlebenssicherung der Organisation berücksichtigt werden. Im Zuge der Organisationsentwicklung bewegt sich das Mana­ge­ment stets in der Paradoxie, Wandel (verstanden als Neu- bzw. Entlernen von Entscheidungsmustern) initiierten, zugleich aber Stabilität (verstanden als die bewusste Entscheidung gegen Lernen) gewährleisten zu müssen, da nur so die Bewältigung des Alltagsgeschäfts sichergestellt werden kann. Innerhalb des Personalmanagements ist das Management dafür zuständig, die Mitarbeitenden an das Organisationssystem zu koppeln, wohlwissend, dass psychische und soziale Systeme über jeweils spezifische Eigenlogiken verfügen und folglich stets Umwelten füreinander bleiben. Im Zuge des Controllings ist das Management einerseits auf harte steuerungsrelevante Daten (i. d. R. Kennzahlen) angewiesen, um den Er­rei­chungsgrad von zuvor gesetzten Zielen bewerten zu können, andererseits ist es häufig eben jenes Bündel von (harten) Kennzahlen, das suggeriert,

»[…] gegenüber dem unternehmerischen Risiko – vergleichbar mit einem Instrumentenflug eines Verkehrsflugzeugs – technisch total gewappnet zu sein« (Wimmer u. Schu­macher 2009, S. 235).

Die hier nur skizzierten Herausforderungen legen nahe, die → Funktion des Mana­ge­ments in erster Linie als Paradoxiemanagement zu betrachten. Die konti­nuier­liche Beobachtung, Reflexion und ggf. Modifikation der vorhandenen (→ Kommuniations- und Entscheidungs-)Muster zur Paradoxiebewältigung wird folglich zur zentralen Aufgabe des Managements. Eine solche Interpretation der Managementfunktion stellt auch veränderte Anforderungen an die Person des/der Ma­na­gers/Managerin.

b) Anforderungen an den/die postheroische/n Manager/in
Wenn Management im Kern als Paradoxiemanagement betrachtet werden muss, dann liegt es nahe, dass auch die Institution des Managements – also die konkrete Rolle des/der Managers/Managerin – mit paradoxen Anforderungen konfrontiert ist. Betrachtet man Organisationen als operational geschlossene Systeme, die ihr Überleben dadurch sichern, dass sie sich gegenüber ihrer Umwelt abgrenzen und sich nur dann punktuell öffnen, wenn dies aus Perspektive des Organisationssystems sinnvoll erscheint, dann wird deutlich, dass Manager und Managerinnen strenggenommen in die Kategorie der unmöglichen Berufe eingeordnet werden müssten, schließlich wird ihnen – die ebenfalls der Umwelt zugeordnet werden müssen – »die Verantwortung für das Verhalten eines hochkomplexen Systems zugeschrieben […], welches nicht in einem gerad­linig-kausalen Sinne gesteuert werden kann« (Simon 1997, S. 125).
Wenngleich Managern und Managerinnen → Macht (und im besten Fall auch Autorität) zugeschrieben wird, was sie dazu legitimiert über entscheidbare Entscheidungsprämissen (Programme, Kommunikationswege und Personen) zu entscheiden, darf hierdurch nicht der Eindruck entstehen, dass Manager und Ma­na­gerinnen Organisationen beherrschen oder gar in den Griff bekommen können. Wenn sie folglich für die »Steuerung des Unsteuerbaren« (Wimmer 2011, S. 509) zuständig sind, dann scheint das → Narrativ des heroischen Mana­gers/der heroischen Managerin, der/die auf dem Feldherrenhügel steht, von die­ser erhöh­ten Stelle den Überblick über das gesamte »Schlachtfeld« besitzt und folglich kluge Strategien entwickeln kann, obsolet.
Im Gegensatz zum/zur heroischen Manager/Managerin weiß der/die post­heroische Manager/Managerin um die Eingeschränktheit seiner/ihrer eigenen Be­obachtungsfähigkeit, weswegen er/sie nicht die organisationale mit seiner individuellen Beobachtungskompetenz gleichsetzt. Vielmehr ist er/sie bemüht, die o. g. Steuerungsbereiche (strategisches Management, Controlling, Marketing etc.) als systematisierte Form der Beobachtung in den Strukturen der Organisation zu verankern. Darüber hinaus schafft er/sie regelmäßige Anlässe (z. B. durch Coaching o. Ä.), um (auch für sich) Möglichkeiten der Beobachtung 2. Ordnung in Anspruch zu nehmen. Gefühle der Unsicherheit und des Kontrollverlustes werden vom postheroischen Manager/von der postheroischen Managerin nicht als Zei­chen mangelnder → Führungsqualitäten, sondern als bedeutsame Signale des eigenen psychischen bzw. biologischen Systems bewertet, die stets darin erinnern, der Steuerung von Organisationen mit der nötigen Demut zu begegnen. Da der/die postheroische Manager/Managerin weiß, dass Paradoxien in Organisationen systemimmanent sind, ist sein/ihr Denken und Handeln nicht von einem Ent­weder-Oder, sondern einem Sowohl-als-auch geprägt. Folglich verfügt der/die postheroische Manager/Managerin über ein hohes Maß an Ambiguitätstoleranz. Er/sie ist also bereit, Vieldeutigkeit zu akzeptieren, er/sie ist in der Lage, Unklarheit zu ertragen und → Ambivalenzen auszuhalten und er/sie betrachtet die Unentscheidbarkeit als Normalfall, wohlwissend, dass er/sie in seiner/ihrer Rolle dennoch entscheiden muss (vgl. Simon 2013, S. 45).

Verwendete Literatur
Luhmann, Niklas (2000): Organisation und Entscheidung. Wiesbaden (Springer VS), 2. Aufl. 2006.
Schreyögg, Georg u. Jochen Koch (1990): Management. Grundlagen der Unternehmensführung. Konzepte – Funktionen – Fallstudien. Wiesbaden (Springer Gabler), 8. Aufl. 2020.
Simon, Fritz B. (1997): Die Kunst, nicht zu lernen. Und andere Paradoxien in Psychotheorie, Management, Politik … Heidelberg (Carl-Auer), 5. Aufl. 2010.
Simon, Fritz B. (2013): Wenn rechts links ist und links rechts. Paradoxiemanagement in Fami­lien, Wirtschaft und Politik. Heidelberg (Carl-Auer).
Wimmer, Rudolf (2011): Die Steuerung des Unsteuerbaren. In: Bernhard Pörksen (Hrsg.): Schlüsselwerke des Konstruktivismus. Wiesbaden (Springer), 2. Aufl. 2015, S. 509–534.
Wimmer, Rudolf u. Thomas Schumacher (2009): Führung und Organisation. In: Rudolf Wimmer, Jens O. Meissner u. Patricia Wolf (Hrsg.): Praktische Organisationswissenschaft. Lehrbuch für Studium und Beruf. Heidelberg (Carl-Auer), 2. Aufl. 2014, S. 217–240.

Weiterführende Literatur
Baecker, Dirk (2003): Organisation und Management. Frankfurt a. M. (Suhrkamp).
Gesmann, Stefan u. Joachim Merchel (2019): Systemisches Management in Organisationen der Sozialen Arbeit. Handbuch für Studium und Beruf. Heidelberg (Carl-Auer), 2. Aufl. 2021.
Simon, Fritz B. u. CONECTA (2013): Radikale Marktwirtschaft: Grundlagen des systemischen Managements. Heidelberg (Carl-Auer).