Jan V. Wirth und Heiko Kleve

Zeugen (Arbeiten mit Zeugen)

engl. witnesses, franz. témoin m; die Arbeit mit Zeugen und Zeuginnen ist eine Methode, die es erlaubt, zusätzlich zu den schon im Klientensystem (→ System) vorhandenen Sichtweisen weitere und neue Perspektiven bezüglich der in der → Beratung diskutierten Frage einzubeziehen (vgl. Williams 1989). Die multiperspektivische Betrachtung der Situation bringt einen → Informationsgewinn und dient der Überprüfung, Erweiterung und manchmal auch → Dekonstruktion von im Klientensystem vorhandenen → Konstru...

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Soziodrama

engl. sociodrama, franz. sociodrame m, von lat. socius = »der Gefährte« und griech. drama = »Handlung«; bezeichnet eine handlungsorientierte Methode zur Darstellung, Analyse und Veränderung der Wirklichkeit eines → Sozialsystems. Das Soziodrama geht, ebenso wie das → Psychodrama (→ Psyche), auf Jacob Levy Moreno (1889–1974) zurück. Für Moreno ist der Mensch ein konstitutiv soziales Wesen – psychische → Gesundheit ist eine → Funktion der Qualität der → Beziehungen, in die der Einzelne eingebunden...

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Scheidung/Trennung

engl. divorce/separation, franz. divorce m/séparation f; Scheidung ist die formelle juristische Auflösung einer Ehe. »Geschieden« ist neben »ledig«, »verheiratet« und »verwitwet« eine der vier weltweit üblichen Zustandsbeschreibungen im Hinblick auf den Paarstatus (→ Paar). Eine Scheidung ist jedoch nicht in allen Rechtssystemen (→ System) möglich, Verfahren und Bedeutung können je nach kultureller (→ Kultur), ethnischer und religiöser Zugehörigkeit (→ Inklusion) sehr unterschiedlich sein. Schei...

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Prävention

engl. prevention f, franz. prévention f; bezeichnet eine bestimmte Perspektive, die einen Zusammenhang zwischen gegenwärtigen Maßnahmen und dem Nichtauftreten eines zukünftigen → Problems beobachtet. Als Frage formuliert: Wie kann mit gegenwärtigen Maßnahmen dem Auftreten eines zukünftigen Problems zuvorgekommen werden (lat. praevenire = »zuvorkommen«)? Ansatzpunkte der präventiven Maßnahmen sind Risikofaktoren, welche das Auftreten eines Problems wahrscheinlicher machen, und Schutzfaktoren, wel...

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Missbrauch (sex.)

engl. sexual abuse, franz. abus m sexuel. Im deutschen Strafgesetzbuch (StGB) beziehen sich die Paragrafen 174–184 auf Straftaten gegen die sexuelle (→ Sexualität) Selbstbe­stimmung. In § 176 StGB wird der Strafrechtsbestand des Missbrauchs an → Kindern bis zu 14 Jahren formuliert. Danach sind sowohl sexuelle Handlungen mit unmittelbarem körperlichem (→ Körper) Kontakt zwischen Tatperson und → Opfer als auch ohne direkte Berührung strafbar. Zu Letzterem zählen auch die Beeinflussung des Kindes d...

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Interaktion

engl. interaction, franz. interaction f, aus dem lat. inter = »zwischen« und lat. actio = »Tä­tig­keit, Wirkung, Vorgang«; bezeichnet eine Wechselbeziehung zwischen Organismen oder → Personen unter Bedingungen von Anwesenheit. George Herbert Mead (1934/1973) sah, Sozialpsychologie und philosophischen Pragmatismus miteinander verbindend, in der Anpassung von Organismen an ihre je aktuelle Situation die Grundlage des Handelns. Anpassung erfolgt insbesondere an das Verhalten anderer Organismen, di...

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Familienhelfer-Map

Die Familienhelfer-Map gibt Orientierung im → Sozialsystem, das sich aus → Fami­lienmitgliedern, informellen Helfern (→ Helfen) und professionellen Helfern und Helferinnen gebildet hat. Hinter der Methode steht die Idee, dass es nicht ausreicht, das Familiensystem allein zu betrachten. Der → Kontext der → Familie – soweit er für die Fragestellung relevant ist – muss mit einbezogen werden. Die anderen Helfer und Helferinnen haben ebenfalls Einfluss auf das, was geschieht. Auch wir als Helfer und ...

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Paar

engl. couple, franz. couple m. Ein Paarsystem (→ System; → Sozialsystem) »konstituiert« sich durch zwei Personen, die ihre → Beziehung als Paarbeziehung definieren bzw. von außen als solche beschrieben werden mittels zusätzlicher Zuschreibungen wie: gleichgeschlechtlich, verschiedengeschlechtlich, kulturell (→ Kultur) unterschiedlich, kulturell homogen, junge, alte, Jung mit Alt, langjährig, kurzweilig, lebenslang, streitend, krisenhaft (→ Krise), liebend (→ Liebe), nutzbringend, zusammenlebend ...

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Psychodrama

engl. psychodrama, franz. psychodrame m, von griech. psyche = »Seele« (→ Psyche) und drama = »Handlung«, d. h. handelnde Erschließung der subjektiven Wirklichkeit eines Thementrägers; bezeichnet zum einen ein in der ersten Hälfte des 20. Jh. von dem österreichi­schen Arzt, Dichter und Theaterexperimentator Jacob Levy Moreno (1889–1974) entwickeltes psychotherapeutisches (→ Therapie) Verfahren, zum anderen eine szenische Methode innerhalb dieses Verfahrens. Der Grundgedanke des Psychodramas best...

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Individuation

engl. individuation, franz. individuation f, von lat. individuare = »sich unteilbar/untrennbar machen«, geht ursprünglich auf die analytische Psychologie C. G. Jungs zurück. Während Sigmund Freud vornehmlich die ätiologischen (kausalen) Aspekte des seelischen Geschehens betrachtete, fokussierte Jung auf die finalen Aspekte, die seelischen »Endabsichten« der Entwicklung in Hinsicht auf Integration und Ganzheit (i. e. lat. individuum = »unteilbar«). Der Begriff der Individuation meint damit ursprü...

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Ressource

engl. resource, franz. ressource f, lat. resurgere = »wieder erwachen, sich wieder erheben«; Ressourcen sind Mittel, Kraftquellen, die es ermöglichen, eine Handlung zu tätigen oder einen Vorgang ablaufen zu lassen. Ressourcen werden kategorisiert als individuelle ([→ Individuum] psychische und körperliche [→ Psyche; → Körper]), soziale (→ Familie, Freunde → Gruppe, Nachbarschaft, → Beziehung zum Therapeuten oder zur Therapeutin, zur Berufskollegin; → Sozialsystem), materielle (Wohnsituation, Gel...

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Obdach-/Wohnungslosigkeit

engl. homelessness; bezeichnet den aufmerksamkeitshalber mit Störungen der öffent­lichen Ordnung einhergehenden Tatbestand, dass ein Mensch – infolge seiner Irrelevanz, d. h. ohne Anschlussbedeutung als Adresse für entsprechende → Kommunikation – über keinen dauerhaften Wohnsitz bzw. mietvertraglich abgesicherten Wohnraum bzw. über Wohneigentum verfügt. Obdach-/Wohnungslosigkeit stellt im ersten systemtheoretischen Zugriff die → Exklusion eines Menschen aus dem Wirtschaftssystem, im engeren Sin...

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Delegation

engl. delegation, franz. délégation f, von lat. delegare = »hinschicken, anvertrauen, übertragen«. Der Begriff der Delegation wurde geprägt von Helm Stierlin (s. u. a. 1978). Er bezeichnet ein Geschehen typischerweise zwischen Eltern (→ Elternschaft) und → Kindern im Rahmen familiärer (→ Familie) Dynamiken und ist ein zentraler Begriff der sogenannten Heidelberger familientherapeutischen (→ Therapie) Schule um Stierlin. Mit Delegation sind im Wesentlichen implizite/unbewusste Botschaften oder Au...

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Gewalt (in Paarbeziehungen)

engl. violence in couple relationships, franz. violence f dans les couples. Auch wenn Gewalt in → Paarbeziehungen (→ Beziehung) ähnlich wie → Gewalt gegen Kinder in den vergangenen Jahrzehnten zu einem öffentlich anerkannten → Problem geworden ist, ist der Diskurs zu diesem Thema im systemischen (→ System) Feld zumindest im deutschsprachigen Raum nach wie vor »marginal« (vgl. Kirschenhofer u. Schmidsberger 2010, S. 179). Das mag daran liegen, dass die – überwiegend feministisch inspirierte – öff...

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Gewalt (gegen Kinder)

engl. violence against children, franz. violence f contre les enfants; Die Einstufung körperlicher Gewalt (→ Körper) gegen → Kinder als soziales → Problem ist ein Produkt der Spätmoderne, das als Beispiel für die erfolgreiche gesellschaftliche → Konstruktion von Problemen und die damit verbundene Durchsetzung gesellschaftlicher (Be-)Hand­lungsprogramme angesehen werden kann. Noch zu Beginn der 1960er-Jahre wurde Kindesmisshandlung (→ Misshandlung) in der Politik und Wissenschaft ebenso wenig als...

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Lebensführung

engl. conduct of life, franz. organisation f de la vie; gemeinhin mit Lebenswandel, Da­seins­weise oder Lebensstil gleichgesetzt bzw. als Zusammenhang von lebenspraktisch notwendigen Tätigkeiten definiert. Oberflächenhaft umschreibt Lebensführung ver­einfacht alles Handeln eines → Individuums in Verbindung mit seiner gesellschaft­lichen Daseinssicherung. Seit Max Webers religionssoziologischen Untersuchungen betont die Formel »rationale Lebensführung« bis heute nicht allein die Möglichkeit, sond...

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