Updates der Gesellschaft
Mark Zuckerberg hat angekündigt, für seine Plattformen den Faktencheck aufzugeben, vorerst zumindest in den USA. Eine von vielen Nachrichten aus Medienwelt und Politik, die beunruhigen. Man könnte so sagen: Gesellschaften und die Welt-Gesellschaft als Ganze erfahren in kurzatmigen Rhythmen teils fundamentale Updates ihrer Betriebssysteme.
Manche mögen davon überrascht sein. Kann man sich darauf vorbereiten und andere Wege finden, damit umzugehen? Oder sogar Einfluss nehmen, bevor das nächste Update real hochgeladen wird – zum Beispiel nach anstehenden Wahlen?
Es gibt eine Reihe von Schriften, die dafür zu lesen sich lohnt: Carl-Auer update gesellschaft. An deren Beginn stand die Kritik der digitalen Unvernunft von Matthias Eckoldt, in der er dezidiert aufzeigt, wie und warum unsere Gesellschaft auseinanderzufallen droht. Angesichts von Zuckerbergs aktueller Entscheidung von enormer Aktualität. Fritz B. Simon hat in Die kommenden Diktaturen aus systemtheoretischer Perspektive ein eindrückliches Worst-Case-Szenario gezeichnet, dessen Konturen sich real abzeichnen. Umso wichtiger ist es, diese zu beschreiben, bevor sie noch wirklicher werden – und sich dann irgendwann tatsächlich die Frage stellt, was man noch sagen darf, wie der update-gesellschaft-Essay von Steve Ayan überschrieben ist.
Lesen lohnt sich ...
Matthias Eckoldt – Oder: Kann die Gesellschaft die Gesellschaft verstehen?
Matthias Eckoldt feiert heute seinen 60. Geburtstag. Wir gratulieren unserem Autor und Herausgeber der Reihe update gesellschaft von Herzen.
Im Carl-Auer Verlag sind von Matthias Eckoldt mehrere Bücher zu grundlegenden erkenntnistheoretischen und wissenschaftsphilosophischen Fragestellungen erschienen: Die ewige Wahrheit und der Neue Realismus (zus. mit Markus Gabriel), Kann sich das Bewusstsein bewusst sein? und Kann das Gehirn das Gehirn verstehen? Eckoldts Arbeit für das Radio wurde mit dem idw-Preis für Wissenschaftsjournalismus gewürdigt. Daneben erhielt er ein Recherchestipendium des American Council on Germany in New York, ein Aufenthaltsstipendium des Künstlerhauses Lukas in Ahrenshoop sowie den Jury-Preis des Berliner Hörspielfestivals.
Matthias Eckoldts jüngstes bei Carl-Auer erschienenes Buch Kritik der digitalen Unvernunft bildete den Auftakt zu der von ihm herausgegebenen Essay-Reihe update gesellschaft. Er schreibt zum Ansatz der Reihe: „Wer abwartet, kommt heute notorisch zu spät. (...) Seit mit dem SARS-CoV-2-Virus eine Art Brandbeschleuniger für die Dynamik sozialer Prozesse gezündet hat, scheint diese Haltung für eine Gesellschaftsdiagnose der Gegenwart nicht mehr angemessen. (...) Es braucht permanent Updates zur Lage der Gesellschaft. In dieser Buchreihe erscheinen freie Essays zu allem, was bei Tageslicht betrachtet werden sollte. Ganz im Sinne Montaignes, der diese faszinierende Textsorte begründete, wird hier nicht das Sein, sondern der Übergang gezeichnet.“ Die jüngsten Bände der Reihe sind Die kommenden Diktaturen von Fritz B. Simon und, soeben erschienen, Wir Schlaflosen von Ralph Gerstenberg.
Matthias Eckoldt studierte Philosophie, Germanistik sowie Medientheorie und promovierte mit einer Analyse der Massenmedien auf Grundlage der Luhmann’schen Systemtheorie und der Foucault’schen Machtanalytik. Er ist Autor von Romanen, Fachbüchern, Theaterstücken, Essays und Radiomanuskripten.
Mit den besten Wünschen, auch im Namen von Prof. Fritz B. Simon, Bernhard Trenkle und Dr. Gunthard Weber und allen Kolleg:innen im Carl-Auer VerlagMatthias Ohler
Was ist der Fall, und was steckt dahinter? Oder: Der Fall der Mauer – ist da was?
Morgen jährt sich zum 35. Mal der Tag, an dem, wie man so sagt, „die Mauer fiel“. Heute wird dazu im Bundestag debattiert. Angesichts der aktuellen stürmischen Ereignisse darf man gespannt sein.
Es war ja allerdings zunächst so, dass am 9. November 1989 Grenzposten die Schranken öffneten und Menschen Wege gehen konnten, die zuvor so schlicht nicht gangbar waren – allenfalls um den Preis tödlicher Gefahr. Und die Mauer fiel ja auch nicht, sondern sie wurde zuerst geöffnet, dann bestiegen und weggepickelt, schließlich – bis auf Erinnerungsreste – ganz abgetragen.
Am 30. Jahrestag dieser historisch so bedeutsamen Ereignisse fand in Naumburg eine sehr gut besuchte Tagung statt, die alle, die daran teilnahmen, noch in den Knochen, Hirnen und Herzen haben und zu der es ein beeindruckendes Buch gibt: Vom Träumen und Aufwachen. socialnet.de schreibt dazu: „Ein wirklich lesenswertes Buch mit Beiträgen, Foren und Interviews über mehr als die Reflexivität der nunmehr über 30 Jahre zurückliegenden Zusammenführung von Ost- und Westdeutschland. Darin enthalten sind Denkanstöße, Erzählungen und inspirierende methodische Zugänge.“
Von Tagungen geht – meistens – keine weltpolitische Wirkung aus. Diese Tagung in Naumburg hatte aber Besonderheiten. Nicht nur haben sich zum ersten Mal die Verbände Deutsche Gesellschaft für Systemaufstellungen DGfS (als Veranstaltende), die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF), die Systemische Gesellschaft (SG), die Deutsche Gesellschaft für Supervision (DGSv) und die Deutsche Gesellschaft für systemische Pädagogik (DGsP) gemeinsam zur Unterstützung einer Tagung und zur Präsenz vor Ort entschieden. Die Tagung hatte eine besondere Atmosphäre. Man könnte sagen: eine professionelle, experimentelle und vor allen Dingen eine erzählende Atmosphäre. Sowohl in den Vorträgen und Foren wie auch in den Workshops, und ganz eindrücklich in den Pausen, fanden Sprache, Konzepte, performative Kunst, Systemaufstellungen und ganz direkte persönliche Begegnung im Gespräch Raum, um für jeden an einzelnen Geschichten, Ideen und Ausführungen erfahrbar machen zu können: So hab ich das noch nie gesehen ...
In dem im pandemischen Jahr 2022 erschienenen Buch Vom Träumen und Aufwachen ist nicht nur die Tagung dokumentiert, sondern auch die Zeit davor und danach. Dies findet Ausdruck in beeindruckenden und auch berührenden Beiträgen, die es wert sind, immer wieder gelesen und reflektiert zu werden. Mit einem stets frischen Blick, der jetzt von den derzeitigen aufwühlenden Prozesse der vergangenen Tage und den Aussichten auf das was kommt bebrillt ist, lässt sich bei der Lektüre noch einmal erfahren, welche Chancen in dem liegen, was geschieht – und welche Gefahren. Träumen und aufwachen. Oder aufwachen, bevor es zu spät ist zum Träumen ...
Sounds of Science / Harry Lehmann – Ideologiemaschinen
Wie funktioniert Cancel Culture? Und wie produziert sie Ideologiemaschinen? -Unter diesem Titel – Ideologiemaschinen – hat Harry Lehmann in der Carl-Auer Reihe update gesellschaft ein Plädoyer für die Freiheit in Kunst, Lehre und Wissenschaft veröffentlicht, das es in sich hat.
Dr. Harry Lehmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Luxemburg mit den Schwerpunkten Kunstphilosophie, Musikphilosophie, Ästhetik und KI-Ästhetik und arbeitet zudem er als freier Autor.
Wir sprechen mit Harry Lehmann über systemische Wechselwirkungen von Ideologien, Unbestreitbarkeit und Politisierung von Institutionen. Wie kommt es dazu, dass der Sand der politischen Kommunikation in die Institutionen rieselt und sie zum Knirschen bringt? Was hat das mit Machtstrukturen und Gruppenpolarisierung zu tun? Und wie könnte man versuchen, Ideologieunterbrecher zu kreieren und liberale Demokratien sich stabilisieren zu lassen?
Viele Spaß im Gespräch mit Harry Lehmann bei Carl-Auer Sounds of Science.
Carl-Auer Sounds of Science · #194 Harry Lehmann – Ideologiemaschinen
Sounds of Science / Dorothea Winter - KI, Kunst und Kitsch
Wir sprechen bei Carl-Auer Sounds of Science mit Dorothea Winter darüber, warum KI keine Kunst erzeugt, sondern – Kitsch.