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Die ganze Aufregung um Migration und Einwanderung, um Leitkultur und die vermeintliche Islamisierung des Abendlandes ist psychologisch (nur) verständlich, wenn man sich vor Augen hält, wie eng die („eigene“) Kultur, deren Regeln in frühester Kindheit ganz eng an Affekte gekoppelt werden, zur Bildung der persönlichen Identität eines Individuums beiträgt. Insofern kann das Erleben abweichenden Verhaltens als Bedrohung der eigenen Kultur und damit als Bedrohung der persönlichen Identität empfunden werden, was mit starken affektiven Reaktionen beantwortet wird. Da die Möglichkeiten der affektiven Musterbildung im Vergleich zum diskursiven Denken sehr begrenzt sind, ist dann auch die Chance/das Risiko gegeben, dass sich soziale Bewegungen auf Basis der geteilten Affekte der bewegten Bürger entwickeln, die dann als „Wutbürger“ auf die Straße gehen (siehe "Masse", Sätze 57ff).


Literatur:


"»Damit Sie sich ein allgemeines Bild machen können«, sagte er ihnen dann. Ein allgemeines Bidl mussten sie schließlich schon haben, wenn sie qualifizierte Arbeit leisten sollten - allerdings, da aus ihnen ja gute, glückliche Mitglieder der Gesellschaft werden sollten, eben so allgemein wie nur möglich. Denn der Schlüssel zu Tugend und Glück liegt, wie wir wissen, im Besonderen; das Allgemeinen ist ein intellektuell notwendiges Übel. Nicht Philosophen, sondern Laubsäger und Briefmarkensammler bilden das Rückgrat der Gesellschaft.«"


Huxley, Aldous (1932): Schöne Neue Welt. Frankfurt (Fischer) 7. Aufl. 2018, S. 8.