Dysfunktionen der Hierarchie: Coronavirus und "Der Große Sprung nach vorn"

Zwischen der sich im Moment entfaltenden Coronavirus-Pandemie in/aus China und den Erfahrungen in China während des sogenannten "Großen Sprungs nach vorn" gibt es Parallelen, die zeigen, wie Dysfunktionalitäten streng hierarchischer System entstehen können (es gibt sicher noch mehr Wege, als den nachfolgend beschriebenen).

Beim Coronavirus wurde erst sehr spät auf nationaler Ebene mit den Schutzmaßnahmen reagiert, die eine Ausbreitung der Infektionen hätten verhindern können. Die Erklärung: Die lokalen Behörden haben versucht, die Probleme gegenüber den ihnen übergeordneten Behörden zu verheimlichen, da diese als ihr Versagen hätten ausgelegt werden können. Da die Infektionsketten sich allein durch hartnäckiges Ignorieren nicht unterbrechen ließen, konnte sich die Epidemie auf weitere Teile Chinas ausbreiten.

Ganz Analoges geschah in den 50er Jahren, nachdem das Programm des "Große Sprung nach vorn" verkündet worden war. Nach einer oder mehreren (die Zahl weiß ich nicht genau) guten Ernten wurden die Normen für die erwarteten Ernten hochgesetzt. Da die Ernten nicht so gut ausfielen wie geplant und die jeweils örtlichen Funktionäre ihr "Versagen" aus Angst vor Sanktionen nicht nach oben melden wollten, ließen sie die Getreidespeicher gefüllt, um den Inspektoren, die zur Kontrolle kamen, einen Ernteerfolg vorzuspiegeln, der tatsächlich nicht gegeben war. Folge: Insgesamt verhungerten in der Zeit des Großen Sprungs 30 Millionen Chinesen.

In einem streng hierarchischen System wird zwar schneller entschieden, wie man an der rasanten Entwicklung der chinesischen Infrastruktur ablesen kann, aber es gibt soziale Nebenwirkungen, die unvermeidlich aus Kontrollstrukturen bzw. -spielen resultieren...

Alles hat offenbar seinen Preis.